Natrium verlässt das Auto: der größte Speicher-Deal der Branche.
Natrium-Ionen-Batterien galten lange als billige, aber zweitklassige Alternative zu Lithium. 2026 kippt diese Wahrnehmung: CATL hat mit dem Speicher-Integrator HyperStrong einen Vertrag über 60 GWh Natrium-Speicher geschlossen — die größte Natrium-Ionen-Bestellung aller Zeiten — und kündigt die Massenproduktion bis Ende 2026 an. Mit rund 175 Wh/kg erreicht die neue Zellgeneration LFP-nahe Werte. Natrium springt damit vom Nischenchemie-Status mitten in den Markt für stationäre Stromspeicher — das Rückgrat einer Strom-Welt mit viel Sonne und Wind.
Worum geht es?
Natrium ist auf der Erde tausendfach häufiger als Lithium, lässt sich aus Kochsalz gewinnen und braucht weder Kobalt noch Nickel. Der Haken war bisher die geringere Energiedichte: Eine Natriumzelle speichert pro Kilogramm weniger als eine Lithiumzelle, was sie für reichweitenhungrige Autos benachteiligt. Doch genau dort, wo Gewicht zweitrangig ist — im stationären Netzspeicher —, spielt Natrium seine Stärken aus: niedrige Materialkosten, gute Kälteleistung, hohe Sicherheit und eine sehr lange Zyklenlebensdauer.
Der 60-GWh-Vertrag zwischen CATL und HyperStrong ist das bislang deutlichste Signal, dass diese Rechnung aufgeht. CATL bezeichnet den Abschluss als Beleg dafür, „die Herausforderungen der gesamten Natrium-Ionen-Massenproduktionskette" gemeistert zu haben — von der Wasserkontrolle über die Gasbildung im Hartkohlenstoff bis zur Aluminiumfolienhaftung. Die neue Zelle für Speicheranwendungen erreicht laut Hersteller bis zu 175 Wh/kg und hat Chinas jüngste nationale Sicherheitsnorm für Traktionsbatterien bestanden.
Warum das eine positive Entwicklung ist
- Entkopplung von Lithium. Eine zweite, unabhängige Rohstoffbasis nimmt Druck aus dem Lithiummarkt und macht Speicher robuster gegen Preisspitzen und geopolitische Engpässe.
- Sicherheit und Lebensdauer. Natriumzellen sind thermisch gutmütig und überstehen viele tausend Ladezyklen — BYDs dritte Generation nennt über 10.000 Zyklen und 85 % Restkapazität bei −20 °C. Für einen Netzspeicher, der täglich geladen wird, ist Langlebigkeit entscheidend.
- Skalierbarkeit. 60 GWh sind kein Pilotprojekt, sondern industrieller Maßstab. Solche Mengen ermöglichen es, schwankenden Solar- und Windstrom zwischenzuspeichern und stetig abzugeben.
Die Energiedichte holt auf
Nicht nur CATL
Der Vorstoß ist Teil einer breiteren Bewegung. BYD baut in Xining eine eigene Natrium-Fertigung mit zweistelliger GWh-Kapazität auf und treibt eine dritte Zellgeneration für günstige Einstiegs-E-Autos und Speicher voran. Während Lithiumpreise schwanken, behandeln Chinas größte Hersteller Natrium nicht mehr als Laborprojekt, sondern als zweite industrielle Säule. Parallel zielt CATL bei künftigen Generationen auf LFP-nahe Reichweiten von rund 600 Kilometern — Natrium könnte so auch im Auto vom Kompromiss zur echten Option werden.
„Wenn die billigste, sicherste Zellchemie ausgerechnet im Netzspeicher zur Massenware wird, gewinnt die Energiewende ihr fehlendes Bauteil."
Was bleibt offen?
Massenproduktion „bis Ende 2026" ist eine Ankündigung, kein Lieferschein — Hochlaufkurven verschieben sich in der Batterieindustrie regelmäßig. Offen ist auch, wie schnell die Energiedichte weiter steigt und ob Natrium außerhalb Chinas Fuß fasst, wo Lieferketten und Förderkulissen anders aussehen. Doch ein Auftrag über 60 GWh ist kein Marketing: Er bindet Kapital, Fabriken und Abnehmer. Damit ist Natrium-Ionen 2026 endgültig aus der Pilotphase heraus.
Original-Quellen
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Quellen
- Electrek — CATL says sodium batteries are mainstream-ready, signs massive 60 GWh deal: electrek.co
- ESS-News — A closer look at CATL's new sodium-ion battery: ess-news.com
- CarNewsChina — CATL to mass-produce sodium-ion batteries in 2026, targets 600 km range: carnewschina.com
- CarNewsChina — CATL, BYD fast-track sodium-ion battery shift as lithium prices soar: carnewschina.com
- Electrive — BYD makes advances in sodium-ion and solid-state batteries: electrive.com