Das Wissen in den Händen: ein Projekt bewahrt die Erfahrung der Pflege.
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Ein neuer Forschungsverbund um die FAU Erlangen-Nürnberg will das stille Erfahrungswissen erfahrener Pflegekräfte erfassen und weitergeben — mit am Körper getragenen Sensoren und humanoider Robotik. Die Daimler und Benz Stiftung fördert das „Ladenburger Kolleg" mit rund 1,5 Millionen Euro. Partner sind das Fraunhofer IIS, das Universitätsklinikum Erlangen und die Frankfurt UAS. Der Roboter lernt echte Bewegungsabläufe und kann sie später vorführen — und sogar den Widerstand eines zu mobilisierenden Menschen simulieren. Nicht Ersatz für Pflegende, sondern ein Weg, ihr wertvollstes Gut zu bewahren: die im Handeln steckende Erfahrung.
Was ist passiert?
Anfang Juli 2026 ist ein Forschungsprojekt mit einem ungewöhnlichen Ziel gestartet: Es will das praktische Erfahrungswissen erfahrener Pflegekräfte für die Ausbildung nutzbar machen — jenes Wissen, das sich schwer in Worte fassen lässt, weil es in Griffen, Bewegungen und im richtigen Timing steckt. Getragen wird das Vorhaben von Forschenden der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg als sogenanntes „Ladenburger Kolleg" der Daimler und Benz Stiftung, ausgestattet mit rund 1,5 Millionen Euro.
Der Ansatz ist konkret: Am Körper getragene Sensoren zeichnen reale Pflegehandlungen direkt an erfahrenen Fachkräften auf. Die gewonnenen Bewegungsdaten werden analysiert und auf einen humanoiden Roboter übertragen. Dieser übernimmt in der Ausbildung eine Doppelrolle — einmal als „Pflegender", der bestimmte Bewegungsabläufe vormacht, und einmal als „zu pflegende Person", die realistischen Widerstand bei einer Mobilisierung simuliert. Als Datenbasis stellt das Universitätsklinikum Erlangen digitalisierte Mobilitätsassessments bereit, die Pflegekräfte dort über zehn Jahre hinweg erhoben haben.
Warum das eine positive Entwicklung ist
- Wissen bleibt erhalten. Wenn erfahrene Kräfte in den Ruhestand gehen, geht bislang unwiederbringlich Können verloren. Es messbar zu machen, bewahrt es für die nächste Generation.
- Bessere Ausbildung, weniger Verletzungen. Auszubildende können Handgriffe wie das schonende Mobilisieren an einem Roboter üben, der echten Widerstand nachbildet — das schützt später Pflegekräfte wie Patienten vor Fehlbelastungen.
- Der Mensch bleibt Maßstab. Nicht der Roboter definiert gute Pflege, sondern die Erfahrung der Fachkräfte. Die Technik dient als Speicher und Übungspartner, nicht als Ersatz — ein menschenzentrierter Einsatz von KI.
Warum es dringend ist — in Zahlen
Wo das Projekt einzuordnen ist
Der Vorstoß trifft einen Nerv: In Deutschland fehlen je nach Prognose bis 2035 rund eine halbe Million Pflegekräfte, langfristig könnten es noch mehr werden. Die Debatte über Pflegeroboter kreist deshalb oft um Entlastung durch Automatisierung — von Exoskeletten über Dokumentations-KI bis zu humanoiden Assistenten. Das Erlanger Projekt setzt einen eigenen Akzent: Es fragt nicht zuerst, welche Aufgaben eine Maschine übernehmen kann, sondern wie sich das Können der Menschen bewahren und weitergeben lässt. Damit rückt es die Ausbildung ins Zentrum — den Ort, an dem der Fachkräftemangel langfristig entschieden wird.
„Gute Pflege steckt in Bewegungen, nicht in Handbüchern. Sie messbar zu machen, heißt, sie weitergeben zu können."
Was bleibt offen?
Ob sich feinfühlige, situative Pflegehandlungen wirklich verlustfrei in Sensordaten und Roboterbewegungen übersetzen lassen, muss das Projekt erst zeigen — Empathie und Urteilsvermögen entziehen sich der Messung. Offen sind auch der Datenschutz bei körpernahen Aufzeichnungen und die Frage, wie gut Auszubildende das an Robotern Geübte auf reale, verletzliche Menschen übertragen. Und Forschung allein löst keinen Personalmangel. Doch der Ansatz, Technik in den Dienst des menschlichen Könnens zu stellen statt umgekehrt, ist genau die Richtung, in der Robotik der Pflege wirklich nützt.
Original-Quellen
Mehr direkt bei Fraunhofer IIS
Quellen
- FAU Erlangen-Nürnberg — Sicherung des Erfahrungswissens in der Pflege: fau.de
- Fraunhofer IIS — Pressemitteilung: Sicherung des Erfahrungswissens in der Pflege: iis.fraunhofer.de
- E-HEALTH-COM — Ein neuer Forschungsverbund erfasst Pflegeerfahrungen mithilfe KI-basierter Robotik: e-health-com.de
- Statistisches Bundesamt — Bis 2049 werden voraussichtlich mindestens 280 000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt: destatis.de
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