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msm FortschrittsberichtProgress report
msm/PflegeCare/Pflege 2030
Pflege · Deutschland · Juli 2026Care · Germany · July 2026

Dreißig Minuten pro Schicht — und eine Liste dessen, was nicht funktioniert hat. Thirty minutes per shift — and a list of what did not work.

ZusammenfassungSummary

Am 8. Juli 2026 wurde das Modellvorhaben „Pflege 2030“ im Korian Haus Karlsfeld nach dreieinhalb Jahren abgeschlossen. Das bayerische Gesundheitsministerium förderte es mit 3,1 Millionen Euro bei über 4 Millionen Euro Gesamtvolumen; wissenschaftlich begleitet haben die Universität Bremen und das Fraunhofer IIS. Erfolgreichste Einzeltechnologie war die sprachgestützte Pflegedokumentation: rund 30 Minuten Zeitersparnis pro Pflegekraft und Tag bei zugleich besserer Dokumentationsqualität. Ungewöhnlich ist, dass das Projekt auch veröffentlicht, was durchgefallen ist.

On 8 July 2026 the “Pflege 2030” pilot project concluded after three and a half years at the Korian care home in Karlsfeld, Bavaria. The Bavarian health ministry contributed 3.1 million euros of a total budget above 4 million; the University of Bremen and Fraunhofer IIS provided the scientific evaluation. The single most successful technology was voice-assisted care documentation: around 30 minutes saved per carer per day, with better documentation quality. Unusually, the project also published what failed.

Was ist passiert?What happened?

Seit Ende 2022 wurden in einer einzigen realen Pflegeeinrichtung drei Dinge gleichzeitig eingeführt und wissenschaftlich evaluiert: die Personalbemessung nach dem PeBeM-Verfahren, eine kompetenzorientierte Arbeitsorganisation und digitale Technik. Partner waren die Korian Stiftung, Korian Deutschland, die Universität Bremen unter Prof. Heinz Rothgang und das Fraunhofer IIS Erlangen unter PD Dr.-Ing. Thomas Wittenberg.

Der Ansatz unterscheidet sich von den meisten Digitalisierungsprojekten in der Pflege: Statt eine Technologie in vielen Häusern zu testen, wurden viele Technologien in einem Haus getestet — und zwar zusammen mit einer veränderten Arbeitsorganisation. Denn Technik, die in eine unveränderte Ablauforganisation eingebaut wird, spart selten Zeit; sie verschiebt sie nur.

Was sich bewährt hatWhat worked

  • Sprachgestützte Dokumentation. Rund 30 Minuten pro Pflegekraft und Tag, bei besserer Qualität der Einträge. Das ist der klarste Einzelbefund des Projekts — und der plausibelste, weil Dokumentation traditionell am Schichtende nachgeholt wird, wenn die Erinnerung schon verblasst.
  • KI-gestützte Sturzerkennung per Raumsensorik. Inzwischen als buchbare Zusatzleistung verfügbar.
  • Reinigungsroboter. Unspektakulär, aber sie entlasten von Tätigkeiten, für die niemand Pflege gelernt hat.
  • Interaktiver Spieltisch und VR-Brillen. Für virtuelle Ausflüge — Angebote für Bewohnerinnen und Bewohner, nicht Entlastung fürs Personal.

Was durchgefallen istWhat failed

Die eigentliche Besonderheit dieses Projekts ist seine Negativliste. Drei erprobte Technologien haben sich nicht bewährt: eine App zur Ganganalyse, ein EKG-schreibender Toilettensitz und ein Bett zur automatischen Umlagerung.

Dass diese Ergebnisse veröffentlicht werden, ist in der Pflegetechnik selten. Der übliche Weg ist, gescheiterte Komponenten im Abschlussbericht stillschweigend wegzulassen. Für jede Einrichtung, die vor einer Investitionsentscheidung steht, ist die Negativliste jedoch mehr wert als die Erfolgsmeldungen — sie erspart die gleichen Fehlkäufe.

Wofür die Entlastung gebraucht wirdWhy the relief is needed

Pflegebedürftige in Deutschland
in Millionen, Stichtag Dezember · Quelle: Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik · Sprung ab 2017 auch durch den erweiterten Pflegebedürftigkeitsbegriff
3,1 Mio. €
Förderung durch das bayerische Gesundheitsministeriumfunding from the Bavarian health ministry
30 Min.
Zeitersparnis pro Pflegekraft und Tag durch Sprachdokumentationsaved per carer per day through voice documentation
3
erprobte Technologien fielen durch und wurden veröffentlichttested technologies failed — and were published as such

Was bleibt offen?What remains open?

Die methodische Grenze liegt auf der Hand: eine Einrichtung, kein Kontrollhaus. Ob die 30 Minuten in einem Haus mit anderer Bewohnerstruktur, anderem Personalschlüssel und anderer IT ebenfalls anfallen, weiß niemand. Und weil Technik, Personalbemessung und Arbeitsorganisation gleichzeitig verändert wurden, lässt sich der Effekt nicht sauber der Technik zuschreiben.

Die Ergebnisse liegen als kostenfreies, modulares Praxishandbuch vor — das ist die eigentliche Übertragung, nicht der Rollout.

Korian will die validierten Lösungen bis 2028 ins gesamte deutsche Netz übertragen: nach Unternehmensangaben rund 223 Pflegeeinrichtungen, etwa 25 ambulante Dienste und über 22.000 Mitarbeitende. Ein neues zentrales Pflegemanagementsystem startet ab dem vierten Quartal 2026 an acht Pilotstandorten, die sprachgestützte Dokumentation ab 2027.

QuellenSources

  1. Korian Stiftung / Presseportal — Abschluss von „Pflege 2030“: Modellvorhaben legt Praxishandbuch vor (08.07.2026): presseportal.de
  2. Altenheim (Vincentz Network) — Projekt „Pflege 2030“ abgeschlossen: Was sich bewährt hat – und was nicht: altenheim.net
  3. Korian Deutschland — Pflege 2030 – Vom Modellvorhaben zur Praxis: korian.de
  4. Korian Stiftung — Praxishandbuch „Pflege 2030“ (kostenfreier Download): korian-stiftung.de
  5. nordbayern.de — Pflege 2030: KI und Roboter entlasten Pflegekräfte: nordbayern.de