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msm FortschrittsberichtProgress report
msm/PflegeCare/Magdeburger Exoskelett-Studie
Pflege · Deutschland · Juni 2026

Magdeburger Klinik-Studie: was passive Exoskelette wirklich bringen.

This article is currently available in German only — an English version will follow. Der Text liegt bisher nur auf Deutsch vor.

Zusammenfassung

Pflegekräfte heben, drehen und stützen täglich — Rückenbeschwerden sind ein Hauptgrund, warum Menschen den Beruf verlassen. Ein passives Exoskelett kann hier entlasten. Wie gut das im echten Klinikalltag funktioniert, hat die Universitätsmedizin Magdeburg in einer Feldstudie untersucht und im Fachjournal Applied Ergonomics veröffentlicht: 17 Pflegekräfte trugen über zwei Monate freiwillig ein passives Exoskelett. Das Fazit ist nüchtern-positiv — die meisten bewerteten es mit „gut", besonders bei bestimmten Tätigkeiten. Aber: Ein Exoskelett allein löst das Belastungsproblem nicht.

Worum geht es?

Exoskelette für die Pflege werden seit Jahren erprobt — doch belastbare Daten aus dem echten Stationsalltag sind selten. Genau diese Lücke schließt die Magdeburger Studie. Durchgeführt vom Bereich Arbeitspsychologie und Gesundheitsmanagement des Universitätsklinikums gemeinsam mit dem Bereich Telemedizin, Digitalisierung und Gesundheitsökonomie der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität, untersuchte sie ein passives Exoskelett: ein mechanisches System ohne Motor, das die Kraft beim Aufrichten über Federn oder elastische Elemente unterstützt.

Über zwei Monate trugen 17 Beschäftigte das Gerät — und zwar selbstbestimmt, also dann, wenn sie es für sinnvoll hielten. Erfasst wurden Tragedauer, Gebrauchstauglichkeit, Tragekomfort, Technikaffinität sowie strukturierte Interviews. Geleitet wurde die Untersuchung von Prof. Dr. Dr. Fabian-S. Frielitz zusammen mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin und Doktorandin Britta Exner.

Warum das eine wertvolle Entwicklung ist

Der Wert liegt weniger in einer spektakulären Zahl als in der Methode und der Ehrlichkeit der Ergebnisse:

  • Echter Klinikalltag statt Labor. Die Pflegekräfte nutzten das Exoskelett in ihrer realen Arbeit — das macht die Aussagen praxisnah und übertragbar.
  • Akzeptanz vorhanden. Die Mehrheit vergab in der Nachbefragung die Note „gut" — ein gutes Signal für ein Hilfsmittel, das Körpernähe und Bewegungsfreiheit berührt.
  • Gezielter Nutzen. Besonders bei bestimmten, körperlich fordernden Tätigkeiten wurde das Gerät geschätzt — es muss nicht durchgehend getragen werden, um zu helfen.
  • Selbstbestimmte Nutzung. Dass die Kräfte selbst entschieden, wann sie es anlegen, erhöht Akzeptanz und liefert ehrliche Nutzungsdaten.

Die Entlastung in Zahlen

Berichtete Rückenbelastung bei unterstützten Tätigkeiten
Größenordnung der Entlastung (~30 %) · Quelle: Berichterstattung zur Magdeburger Studie
17
Pflegekräfte im zweimonatigen Klinik-Feldtest
Note „gut"
Mehrheitsbewertung in der Nachbefragung
selektiv
größter Nutzen bei bestimmten Tätigkeiten — kein Dauer-Tragen nötig

Wo die Studie einzuordnen ist

Exoskelette sind nur eine von mehreren Antworten auf den Fachkräftemangel in der Pflege. Anbieter wie German Bionic oder Cyberdyne treiben aktive, motorisierte Systeme voran; transportierende und assistierende Roboter übernehmen Botengänge und Dokumentation. Die Magdeburger Arbeit ergänzt diese Produktwelt um etwas Seltenes: unabhängige, im Klinikalltag erhobene Evidenz. Studien wie diese zeigen ein differenziertes Bild — die Akzeptanz ist hoch, wo Technik körperlich entlastet, und niedriger, wo sie soziale Aufgaben übernehmen soll.

„Ein Exoskelett ersetzt keine Stelle. Aber es kann den Rücken entlasten, der sonst nach zehn Jahren Dienst nicht mehr mitmacht."

Was bleibt offen?

Das Forschungsteam betont selbst die Grenzen: Exoskelette allein können die körperliche Belastung in der Pflege nicht lösen. Ausreichend Personal, ergonomische Arbeitsabläufe und weitere technische Hilfsmittel bleiben ebenso wichtig. Die Studie ist mit 17 Teilnehmenden klein, und Langzeiteffekte auf Gesundheit und Verschleiß sind damit noch nicht belegt. Doch genau diese Nüchternheit ist ihre Stärke: Sie verkauft kein Wundermittel, sondern weist einem konkreten Hilfsmittel seinen realistischen Platz zu — als Baustein, nicht als Lösung.

Original-Quellen

Mehr lesen bei Universitätsmedizin Magdeburg

Quellen

  1. Universitätsmedizin Magdeburg — Rücken entlasten im Klinikalltag: Magdeburger Studie untersucht Exoskelette in der Pflege: med.ovgu.de
  2. Applied Ergonomics (ScienceDirect) — Passive exoskeletons in healthcare practice: Usability and acceptance in a clinical setting: sciencedirect.com
  3. healthcare-in-europe.com — Exoskelette entlasten Pfleger im Klinikalltag: healthcare-in-europe.com
  4. ad-hoc-news — Exoskelette am Arbeitsplatz: 30 % weniger Rückenbelastung: ad-hoc-news.de