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msm FortschrittsberichtProgress report
msm/BatterienBatteries/ProLogium Gen 3.5
Batterien · Taoke, Taiwan · September 2026

381 Wattstunden pro Kilogramm — und diesmal nicht im Labor.

This article is currently available in German only — an English version will follow. Der Text liegt bisher nur auf Deutsch vor.

Zusammenfassung

Das taiwanische Unternehmen ProLogium hat am 2. September 2026 den Serienanlauf seiner Gen-3.5-Lithium-Keramik-Zelle gemeldet — nach eigenen Angaben die erste vollständig festkörperbasierte Großformatzelle in echter Serienfertigung. Eine unabhängige Prüfung durch den TÜV bestätigte für die 185,4-Ah-Pouchzelle 381 Wh/kg gravimetrische und 903 Wh/L volumetrische Energiedichte. Im Vakuumtest bei 120 °C verlor die Zelle über sechs Stunden weniger als 0,05 Prozent ihres Gewichts — weit unter dem Grenzwert von 0,5 Prozent, den der chinesische Standard für die Einstufung als „all-solid-state" vorsieht. Die Anfangskapazität der Linie liegt bei 0,5 GWh. Das ist wenig gemessen an Gigafactory-Maßstäben — und viel gemessen daran, dass Festkörperbatterien seit einem Jahrzehnt als „zwei Jahre entfernt" gelten.

Was ist passiert?

ProLogium arbeitet seit 2012 an seiner Lithium-Keramik-Batterie (LCB) und produziert seit 2013 kommerziell; über 2,4 Millionen Zellen wurden nach Unternehmensangaben bislang für Consumer-, Spezial- und Automotive-Anwendungen ausgeliefert. Der Schritt vom September 2026 unterscheidet sich von früheren Ankündigungen in drei Punkten: Es handelt sich um eine Großformatzelle statt um Muster, die Werte stammen aus einer Drittprüfung statt aus dem eigenen Labor, und die Fertigung läuft in einer Anlage im Gigawatt-Maßstab statt auf einer Pilotlinie.

Der Klassifizierungstest ist dabei mehr als Formalie. Zahlreiche als „Festkörper" vermarktete Zellen enthalten weiterhin flüssige oder gelartige Anteile — sogenannte Semi-Solid-State-Designs. Der chinesische Standard prüft das über Gewichtsverlust im Vakuum bei erhöhter Temperatur: Was verdampft, war flüssig. Mit unter 0,05 Prozent liegt die Gen-3.5-Zelle eine Größenordnung unter der Schwelle.

Was 381 Wh/kg praktisch bedeuten

Gängige NMC-Zellen in Elektroautos liegen heute bei etwa 250 bis 300 Wh/kg, LFP-Zellen bei 160 bis 200. Ein Sprung auf 381 Wh/kg bedeutet bei gleicher Batteriemasse rund ein Drittel mehr Energie — oder bei gleicher Reichweite ein spürbar leichteres Fahrzeug, was wiederum Verbrauch, Reifenabrieb und Bremsenergie senkt. Die volumetrische Dichte von 903 Wh/L ist für Anwendungen mit engem Bauraum sogar der wichtigere Wert: Fluggeräte, Nutzfahrzeugpakete, stationäre Systeme mit Flächenbegrenzung.

Energiedichte im Vergleich

Gravimetrische Energiedichte, Zellebene
Serienwerte gerundet; Gen 3.5 nach TÜV-Prüfung. Quelle: ProLogium, Herstellerangaben, InsideEVs.
185,4 Ah
Kapazität der geprüften Großformat-Pouchzelle
< 0,05 %
Gewichtsverlust im Vakuum bei 120 °C — Grenzwert: 0,5 %
0,5 GWh
Anfangskapazität der Serienlinie in Taiwan

Warum das eine positive Entwicklung ist

  • Sicherheit. Ohne flüssigen Elektrolyt entfällt der brennbarste Bestandteil einer Lithiumzelle. Das verändert Kühlkonzepte, Crashanforderungen und Versicherungskalkulation — und es senkt die Hürde für Batterien in Gebäuden und Fluggeräten.
  • Materialeffizienz. Mehr Energie pro Kilogramm heißt weniger Zellen pro Fahrzeug und damit weniger Lithium, Nickel und Kobalt je Kilometer. Der ökologische Rucksack pro Fahrzeug sinkt, ohne dass irgendjemand auf Reichweite verzichtet.
  • Glaubwürdigkeit. Ein geprüfter Wert aus einer laufenden Fertigung ist ein anderes Signal als eine Roadmap-Folie. Er gibt Zulieferern, Prüfstellen und Einkäufern einen belastbaren Bezugspunkt.
„Der Unterschied zwischen einer Musterzelle und einer Serienzelle sind nicht die Kennwerte. Es ist die Frage, ob man sie zehntausendfach gleich hinbekommt."

Einordnung: 2026 als Jahr der ersten echten Serien

ProLogium steht nicht allein. Tinci Materials nahm am 17. September 2026 eine Pilotlinie für Lithiumsulfid und Festkörperelektrolyt im Hundert-Tonnen-Maßstab in Betrieb — ein Hinweis darauf, dass auch die Vorkette anläuft. CATL und BYD haben Serieneinstiege für 2027 angekündigt, Dongfeng betreibt eine 0,2-GWh-Linie für Zellen mit 350 Wh/kg. Der Engpass verschiebt sich damit sichtbar von der Chemie zur Fertigungstechnik: Sulfidelektrolyte sind feuchtigkeitsempfindlich, Stapelprozesse brauchen hohen Anpressdruck, und die Ausbeute entscheidet über den Preis.

Was bleibt offen?

Erstens die Kosten. ProLogium hat weder Zellpreise noch Ausbeuten veröffentlicht; 0,5 GWh Anfangskapazität entsprechen grob 6.000 bis 8.000 Fahrzeugbatterien im Jahr — Nischenvolumen. Zweitens die Lebensdauer: Zyklenzahlen unter realen Lade- und Temperaturprofilen liegen für die Gen-3.5-Zelle noch nicht öffentlich vor. Drittens die Skalierung: Der Sprung von einer Linie auf ein Werk ist historisch die Stelle, an der Festkörperprojekte gescheitert sind. Der Serienanlauf ist deshalb kein Ziel, sondern der Anfang der eigentlichen Prüfung.

Original-Quellen

Herstellerseite: prologium.com

Quellen

  1. ProLogium Technology — ProLogium Begins Mass Production of High-Energy-Density All-Solid-State Battery, Reaching 381 Wh/kg and 903 Wh/L, 2. September 2026: prologium.com
  2. Interesting Engineering — Solid-state battery hits 381 Wh/kg as mass production begins at Taiwan factory: interestingengineering.com
  3. InsideEVs — This 381 Wh/kg Solid-State Battery Packs More Energy and Charges in Just 8 Minutes: insideevs.com
  4. Electric Cars Report — ProLogium Gen 3.5 Solid-State Battery Enters Mass Production, September 2026: electriccarsreport.com
  5. ChemXplore — ProLogium begins mass production of Gen 3.5 all-solid-state LCB: chemxplore.com
  6. Shanghai Metals Market — Tinci Materials' hundred-ton pilot production lines for lithium sulfide and solid-state electrolyte completed, 17. September 2026: news.metal.com