Angebot ist nicht Lernen — ein KI-Tutor mit negativem Effekt.
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In einem randomisierten Experiment der University of Maryland erhielten Studierende mit Zugang zu einem KI-Tutor um etwa vier Prozentpunkte schlechtere Endnoten. Die Beteiligung an der Lernplattform sank deutlich, nur etwa 15 Prozent nutzten das Werkzeug. Entscheidend ist, wie es genutzt wird, nicht dass es existiert.
Was ist passiert?
Ein Team um Jing Liu, Associate Professor und Leiter des Center for Educational Data Science and Innovation an der University of Maryland, hat die Ergebnisse eines randomisierten Experiments veröffentlicht (2. Oktober 2026). Im Herbst 2025 bekamen 2.379 Studierende in Kursen von 30 Lehrenden aus mehreren Fächern Zugang zu einem „Virtual Study Assistant“. Das Werkzeug basierte auf GPT-4o, war in das Lernmanagementsystem der Universität eingebunden und stützte seine Antworten per Retrieval-Augmented Generation auf Vorlesungen und Lesetexte des Kurses.
Verglichen wurden passende Kursgruppen mit und ohne Zugang. Das Ergebnis fällt anders aus als bei vielen früheren Studien, in denen ein sorgfältig didaktisch gestalteter Tutor Lerngewinne zeigte.
Die Zahlen
Warum das mehr sagt als die Schlagzeile
Auffällig ist das Nutzungsmuster. Wer den Tutor nutzte, fragte zu rund 74 Prozent nach Informationen, Erklärungen oder fertigen Lösungen. Nur etwa 11 Prozent übten oder bereiteten Prüfungen vor, weniger als 1 Prozent baten um Rückmeldung zur eigenen Arbeit. Die Beteiligung auf der Lernplattform sank um 0,90 Standardabweichungen, auch Seitenaufrufe und aktive Tage gingen zurück. Das passt zu einem bekannten Befund: Ein Werkzeug, das Antworten liefert, ersetzt Denkarbeit, wenn es nicht so gestaltet ist, dass es Denkarbeit auslöst. Die meisten Lehrenden nutzten zudem den geführten Tutor-Modus nicht.
Für die Praxis heißt das: Nicht der Zugang zu KI entscheidet, sondern ihre didaktische Einbettung.
Was bleibt offen?
Erstens zeigt die Studie Kursnoten, keine unabhängigen Prüfungen. Zweitens hatten die Studierenden ohnehin Zugang zu ChatGPT und Gemini; der Unterschied misst also das zusätzliche Angebot, nicht KI an sich. Drittens fielen die geschätzten Notenverluste bei Studierenden der ersten Akademikergeneration größer aus, doch die Autoren mahnen zur Vorsicht bei Teilgruppen. Viertens war die Rücklaufquote bei der Befragung zum Lehrendenkontakt niedrig. Die Studie widerlegt daher keine gut gestalteten Tutoren, sie zeigt aber, dass ein bloßes Angebot nicht reicht.
Original-Quellen
Quellen
- EdTech Innovation Hub — AI tutor trial finds lower grades and student engagement, Oktober 2026 — https://www.edtechinnovationhub.com/news/students-offered-an-ai-tutor-got-lower-grades-and-disengaged-from-course-materials-university-of-maryland-trial-finds
- EdWorkingPapers — The Effects of Course-Integrated AI Tutoring on Student Outcomes — https://edworkingpapers.com/sites/default/files/ai26-1598.pdf
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