Zum Inhalt springenSkip to content
msm FortschrittsberichtProgress report
msm/RobotikRobotics/Sandbox für 20 Humanoide
Robotik · Südkorea · Oktober 2026Robotics · South Korea · October 2026

Neben dem Menschen statt hinter dem Zaun — Südkorea lässt 20 Humanoide zum Fabriktest zu.

This article is currently available in German only — an English version will follow. Der Text liegt bisher nur auf Deutsch vor.

Zusammenfassung

Südkoreas Industrie- und Handelsministerium hat am 13. Oktober 2026 im Rahmen seiner Regulierungs-Sandbox eine Ausnahme genehmigt, mit der der heimische Hersteller Robros 20 zweibeinige, KI-gesteuerte Humanoide in vier Betrieben testen darf — in Räumen, die sie mit Beschäftigten teilen. Die geltenden Sicherheitsregeln für Industrieroboter gehen von ortsfesten Maschinen aus und verlangen Schutzzäune zwischen Roboter und Mensch; für den Versuch treten an ihre Stelle Risikobewertungen und zusätzliche Auflagen. Wie lange der Test läuft und wie viele Roboter an welchem Standort stehen, nennt das Ministerium nicht; aus den gesammelten Daten sollen Sicherheitsstandards für Humanoide entstehen.

Was ist passiert?

Das südkoreanische Industrie- und Handelsministerium (산업통상부) hat am 13. Oktober 2026 nach einer Sitzung seines Prüfausschusses für regulatorische Sonderfälle in der Industriekonvergenz (산업융합 규제특례심의위원회) mehrere Ausnahmen seiner Regulierungs-Sandbox genehmigt. Die umfangreichste betrifft den heimischen Hersteller Robros: Er darf insgesamt 20 KI-gesteuerte, zweibeinige Humanoide in vier Betrieben einsetzen — beim Halbleiter-Dienstleister Nepes zum Reinigen runder Bauteile aus der Chip-Endfertigung, beim Zulieferer Sungwoo Hitech zum Einlegen von Karosserieteilen, bei der Werft HD Hyundai Samho zum Stapeln von Gerüsthalterungen, die Arbeitsbühnen am Schiffsrumpf sichern, und beim Logistiker Delivery Lab zum Umsetzen gekühlter Verpackungen im Kühllager. Das Ministerium hebt hervor, dass es nicht um einfache Transportaufgaben geht, sondern um Präzisionsreinigung und Tieftemperatur-Logistik.

Der Grund für die Ausnahme liegt in den geltenden Sicherheitsvorschriften für Industrieroboter. Sie gehen von ortsfesten Maschinen aus und verlangen Schutzzäune oder andere Abtrennungen zwischen dem Arbeitsbereich des Roboters und den Beschäftigten. Humanoide, die sich durch dieselben Räume bewegen wie Menschen, passen nicht in dieses Schema; bisher waren solche Einsätze nur als Einzelfall-Ausnahmen je Unternehmen möglich. Für den Versuch gelten laut Seoul Economic Daily stattdessen Risikobewertungen und Schutzmaßnahmen. Die dabei gesammelten Daten sollen in künftige Sicherheitsstandards für Humanoide einfließen.

Auf derselben Sitzung erhielt das Unternehmen Maum AI die erste Erlaubnis, vierbeinige Roboter autonom auf Uferwegen und in Parks der Stadt Cheonan patrouillieren zu lassen, und das Krankenhaus Bundang CHA darf mit dem Sicherheitsanbieter SandsLab eine KI-Plattform zur Früherkennung von Datenabflüssen testen. Industrieminister Kim Jung-kwan begründete das Vorgehen laut Seoul Economic Daily damit, dass die KI-Technik schneller voranschreite, als die Regulierung folgen könne; institutionelle Engpässe müssten rasch beseitigt werden.

Die Zahlen

Neu installierte Industrieroboter 2025
Angaben der International Federation of Robotics, zitiert nach Seoul Economic Daily, 13.10.2026. Humanoide sind in dieser Zählung nicht gesondert ausgewiesen.
20
zweibeinige Humanoide von Robros, für den Test in Betrieben zugelassen (Quelle: Industrie- und Handelsministerium Südkorea, 13.10.2026)
4
Betriebe aus vier Branchen: Halbleiter, Automobil, Schiffbau, Kühllogistik (Quelle: Industrie- und Handelsministerium Südkorea, 13.10.2026)
2,3 Bio. Won
(≈ 1,6 Mrd. US-$) will die Regierung bis 2030 in das Humanoiden-Ökosystem lenken; dazu Beschaffung von 1.080 heimischen Humanoiden (Quelle: Seoul Economic Daily, 14.10.2026)

Einordnung

Bei den Neuinstallationen von Industrierobotern liegt Südkorea weit hinter China: 30.200 Einheiten standen dort 2025 nach Angaben der International Federation of Robotics 354.200 in China gegenüber. In einem Wettbewerbsindex des Korea Institute for Industrial Economics and Trade erreicht Korea bei Fertigungsrobotern 72,9 Punkte, hinter den USA (80,6) und China (79,4). Die Regierung hat im August angekündigt, bis 2030 insgesamt 2,3 Billionen Won in das Humanoiden-Ökosystem zu lenken, den Anteil heimischer Kernkomponenten auf 80 Prozent zu heben und selbst 1.080 im Land gebaute Humanoide zu beschaffen, um eine erste Nachfrage zu schaffen.

Der Versuch ordnet sich in eine Reihe ähnlicher Einsätze ein. Bei BMW in Spartanburg legte ein Figure-02-Humanoid in rund zehn Monaten mehr als 90.000 Blechteile in Schweißvorrichtungen ein und war an über 30.000 X3 beteiligt (siehe unsere Seite zur BMW-Bilanz). Shanghai will bis 2028 8.000 Humanoide in Fabriken haben. Neu an der koreanischen Entscheidung ist nicht der Roboter, sondern die Regel: Der gemeinsame Arbeitsraum von Mensch und Humanoid wird ausdrücklich zugelassen und zugleich zur Datenquelle für eine Norm gemacht, die es noch nicht gibt.

„Korea hat sowohl die Fertigungsstandorte als auch die Fachkräfte — das ist eine günstige Ausgangslage für Humanoiden-Tests.“ — Han Jae-kwon, Professor für Robotik an der Hanyang-Universität, zitiert nach Seoul Economic Daily (übersetzt)

Was bleibt offen?

Erstens: Das Ministerium nennt weder die Laufzeit des Versuchs noch die Verteilung der 20 Roboter auf die vier Standorte noch die konkreten Auflagen. Ob und wie Ergebnisse veröffentlicht werden, ist offen.

Zweitens: Es handelt sich um eine befristete Ausnahme, nicht um eine geänderte Vorschrift. Schutzzäune sind nicht generell aufgehoben; welche Abstände, Geschwindigkeiten und Notstopp-Regeln für Humanoide künftig gelten sollen, soll der Versuch erst klären.

Drittens: Die Leistungsfähigkeit ist unbewiesen. UBTech räumte Anfang 2026 ein, dass sein Walker S2 nur 30 bis 50 Prozent der Produktivität eines Menschen erreicht. Robros hat ein eigenes KI-Modell für Fertigung und Logistik erst für das erste Halbjahr 2027 angekündigt; mit welcher Software die 20 Roboter jetzt arbeiten, ist nicht bekannt.

Viertens: Die Gewerkschaft von Hyundai warnte Anfang 2026 vor Arbeitsplatzverlusten durch Humanoide; das Unternehmen verweist auf körperlich belastende und gefährliche Tätigkeiten. Die Regierung begründet den Versuch mit Arbeitskräftemangel — wie die Beschäftigten an den vier Standorten einbezogen werden, geht aus den Mitteilungen nicht hervor.

Original-Quellen

Mitteilung des Ministeriums (koreanisch): motir.go.kr

Quellen

  1. 산업통상부 (Industrie- und Handelsministerium Südkorea) — 4족 보행 로봇이 우리 동네 안전을 지킵니다 (Pressemitteilung, koreanisch), 13.10.2026: https://www.motir.go.kr/kor/article/ATCL8764a1224/155119236/view
  2. Seoul Economic Daily — Korea Clears First 20 Humanoid Robots for Factory Floors, 13.10.2026: https://en.sedaily.com/finance/2026/10/13/korea-clears-first-factory-test-of-20-humanoid-robots
  3. Seoul Economic Daily — Korea Clears Safety Rules to Put 20 Humanoid Robots on Factory Floors, 14.10.2026: https://en.sedaily.com/finance/2026/10/14/korea-clears-safety-rules-to-put-20-humanoid-robots-on
  4. Seoul Economic Daily — Humanoid Robots Enter Korean Factories in Four Industries, 14.10.2026: https://en.sedaily.com/finance/2026/10/14/humanoid-robots-enter-korean-factories-in-four-industries
  5. TechSpot — South Korea removes safety barriers to let humanoid robots work alongside humans in factories, 15.10.2026: https://www.techspot.com/news/114215-south-korea-removes-safety-barriers-humanoid-robots-work.html
  6. Humanoids Daily — South Korea Approves 20-Robot Robros Trial Across Industrial Sites, 13.10.2026: https://www.humanoidsdaily.com/news/robros-20-humanoid-industrial-trial-korea