Der erste reine Humanoid-Hersteller an der Börse — Agility Robotics notiert seit dem 5. November an der Nasdaq, mit 465 Millionen Dollar frischem Kapital und 1,8 Millionen Dollar Umsatz.
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Agility Robotics, Hersteller des zweibeinigen Lagerroboters Digit, hat am 4. November 2026 die Fusion mit der Börsenhülle Churchill Capital Corp XI abgeschlossen und ist seit dem 5. November unter dem Kürzel AGLT an der Nasdaq notiert — als erstes reines Humanoid-Unternehmen an einer US-Börse. Der Zusammenschluss bringt rund 465 Millionen Dollar brutto, das Unternehmen wird mit etwa 2,5 Milliarden Dollar bewertet, meldet verbindliche Mehrjahresbestellungen über mehr als 300 Millionen Dollar und über 65.000 Betriebsstunden bei Kunden wie GXO, Schaeffler und Toyota. Dem stehen 1,8 Millionen Dollar Umsatz und ein Verlust von mindestens 138 Millionen Dollar im Jahr 2025 gegenüber; der Nachfolger Digit 5, der ohne Schutzzaun neben Menschen arbeiten soll, ist noch in Entwicklung und für 2027 angekündigt.
Was ist passiert?
Der Weg an die Börse führte über eine SPAC-Fusion: Churchill Capital Corp XI, eine Zweckgesellschaft des Investmentbankers Michael Klein, hatte im Juni 2026 den Zusammenschluss angekündigt; nach der Zustimmung der Aktionäre wurde die Transaktion am Mittwoch, dem 4. November, vollzogen. Seit Donnerstag werden Stammaktien und Optionsscheine als AGLT und AGLTW gehandelt; auf eine Glocke zum Handelsstart verzichtete das Unternehmen. Nach Angaben von SiliconANGLE und DC Velocity fließen aus Fusion und begleitenden Finanzierungen rund 465 Millionen Dollar vor Kosten zu, davon 100 Millionen bereits vor dem Abschluss. Das Geld soll vorliegende Kundenbestellungen erfüllen, die Zahl der Einsätze erhöhen, die Fertigung des Digit 5 hochfahren und die Software-Plattform ausbauen. Die Aktien der Altgesellschafter und des SPAC-Sponsors sind 180 Tage gesperrt, mit möglicher vorzeitiger Freigabe bei steigendem Kurs.
In der Pressemitteilung zum Abschluss nennt Agility die Zahlen, die den Fall tragen sollen: mehr als 65.000 Stunden Betrieb unter realen Bedingungen, Einsätze bei GXO, Schaeffler und Toyota Motor Manufacturing Canada, dazu nach Branchenberichten Amazon und Mercado Libre — insgesamt neun Kundenstandorte. GXO erweitert Digit auf zwei weitere US-Standorte, Beginn Anfang 2027; der Landmaschinenhersteller AGCO hat einen Pilotbetrieb in Hesston, Kansas, für 2027 vereinbart. Die zugesagten Mehrjahresbestellungen von über 300 Millionen Dollar stehen unter dem Vorbehalt vertraglicher Meilensteine; nach Business Insider stammt der Großteil von einem einzigen Kunden, der über drei Jahre 1.000 Roboter abnehmen will. Die Fabrik RoboFab in Salem, Oregon — 6.500 Quadratmeter — ist auf bis zu 10.000 Roboter im Jahr ausgelegt. Agility bezeichnet sich als „das einzige börsennotierte reine Humanoid-Robotik-Unternehmen der USA mit nachgewiesenen, aktiven kommerziellen Einsätzen“.
Der Digit 5, dessen Serienfertigung das frische Geld finanzieren soll, ist knapp 1,80 Meter groß, trägt bis zu 23 Kilogramm und soll mit Niob-Zellen des britischen Herstellers Nyobolt in neun Minuten nachladen, sodass ein Roboter 20 Stunden am Tag arbeiten kann. Gerechnet wird er auf Nvidias Industrierechner IGX Thor, die Sicherheitsfunktionen stützen sich auf Nvidias HALOS-Werkzeuge. Entscheidend ist das Konstruktionsziel „kooperative Sicherheit“: Digit 5 soll in Industrieumgebungen neben Menschen arbeiten dürfen — die bisherigen Modelle brauchen Schutzzäune oder abgetrennte Zonen. Erste Auslieferungen sind für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen, die allgemeine Verfügbarkeit für Ende 2027. Die Finanzzahlen des Jahres 2025 aus den Börsenunterlagen: 1,8 Millionen Dollar Umsatz, ein operativer Mittelabfluss von 99,8 Millionen Dollar und ein Nettoverlust, den Business Insider mit 138,1 und OregonLive mit 168 Millionen Dollar angibt. Ein einzelner Investor, der fünf Roboter kaufte, stand für mehr als die Hälfte des Umsatzes.
Die Zahlen
Einordnung
Der Börsengang macht sichtbar, was bei privaten Humanoid-Herstellern verborgen bleibt: das Verhältnis von Bewertung zu Geschäft. Figure wird nach seiner Finanzierungsrunde vom September 2025 mit 39 Milliarden Dollar bewertet, ohne Umsatz zu veröffentlichen; Unitree ging in Shanghai mit rund 1,7 Milliarden Yuan Umsatz und einem Gewinn an die Börse. Agility legt mit der Nasdaq-Notierung Zahlen vor, die jeder lesen kann — 1,8 Millionen Dollar Umsatz gegen 2,5 Milliarden Dollar Bewertung, ein Faktor von rund 1.400 —, und muss sie künftig jedes Quartal fortschreiben. Für die Branche ist das ein Fortschritt eigener Art: Die Behauptungen über Einsätze, Stunden und Bestellungen werden ab jetzt von Wirtschaftsprüfern und Börsenaufsicht begleitet.
Die 65.000 Stunden sind dabei die ehrlichste Kennzahl. Umgerechnet entsprechen sie etwa siebeneinhalb Roboterjahren im Dauerbetrieb — verteilt über neun Standorte und mehrere Jahre, seit Digit bei GXO Wannen zwischen Regal und Förderband trägt (siehe die Seite zum Einsatz bei Mercado Libre). Das ist weit mehr, als die meisten Wettbewerber vorweisen, und zugleich wenig gemessen an den Stückzahlen, über die die Branche spricht: Eine Fabrik für 10.000 Roboter im Jahr steht neben einem Umsatz, der 2025 zu mehr als der Hälfte aus dem Verkauf von fünf Maschinen bestand. AgiBot hat zuletzt vorgeschlagen, den Nutzen von Robotern in Arbeitsstunden statt Stückzahlen zu messen; Agility ist das erste Unternehmen, bei dem beides öffentlich nebeneinandersteht.
„Digit leistet heute echte Arbeit im Betrieb unserer Kunden und übernimmt repetitive, körperlich belastende Aufgaben.“ — Peggy Johnson, CEO Agility Robotics, nach DC Velocity, 05.11.2026 (übersetzt)
Was bleibt offen?
Erstens: Die Bestellungen sind bedingt. „Über 300 Millionen Dollar“ stehen unter dem Vorbehalt von Lieferterminen und zugesagten Funktionen des Digit 5, der noch nicht existiert; sie sind kein gebuchter Umsatz. Fällt ein Meilenstein, fällt ein Teil der Summe — und sie hängt nach Business Insider weitgehend an einem einzigen Kunden.
Zweitens: Die Sicherheit. „Kooperative Sicherheit“ für einen 1,80 Meter großen Zweibeiner mit 23 Kilogramm Last ist ein Konstruktionsziel, keine Zertifizierung. Welche Norm Digit 5 erfüllen soll und wer sie prüft, sagt Agility nicht; Südkorea musste für denselben Zweck eigens eine Ausnahmeregel schaffen.
Drittens: Die Wirtschaftlichkeit. Agility veranschlagt die Kosten für Kauf und Betrieb eines Digit auf rund 400.000 Dollar über fünf Jahre; ob das gegenüber menschlicher Arbeit im Lager rechnet, hängt von Auslastung, Verfügbarkeit und Fehlerquote ab — Zahlen, die kein Kunde bisher veröffentlicht hat.
Viertens: Die Zahlen selbst. Zwei Medien nennen für denselben Jahresverlust 138 und 168 Millionen Dollar; die Differenz dürfte an Bewertungsposten liegen, ist aber ungeklärt. Die ersten Quartalsberichte als börsennotiertes Unternehmen werden zeigen, welche Zahl trägt.
Original-Quellen
Pressemitteilung zum Abschluss (Anlage zur SEC-Meldung): sec.gov
Quellen
- Agility Robotics — Agility Robotics Completes Business Combination with Churchill Capital Corp XI (Pressemitteilung, Exhibit 99.2 zur Form 8-K), 04.11.2026: sec.gov
- SiliconANGLE — Humanoid robot maker Agility Robotics debuts on the Nasdaq after SPAC merger, 05.11.2026: siliconangle.com
- DC Velocity — Humanoid robot manufacturer Agility goes public on Nasdaq, 05.11.2026: dcvelocity.com
- Humanoid Guide — Agility Robotics closes SPAC merger ahead of Nasdaq debut (mit Zahlen aus Business Insider und OregonLive), 05.11.2026: humanoid.guide
- Bloomberg — Nvidia-Backed Humanoid Maker Agility Goes Public in First for the US, 05.11.2026: bloomberg.com
- The Robot Report — Agility Robotics begins trading on Nasdaq, 05.11.2026: therobotreport.com
- Forbes (John Koetsier) — Figure CEO Brett Adcock: Every Major Announcement From Company Meeting (Bewertung 39 Mrd. $), 06.11.2026: forbes.com
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