Londons erste Robotaxis fahren — mit einem Menschen am Steuer, der nicht lenkt.
This article is currently available in German only — an English version will follow. Der Text liegt bisher nur auf Deutsch vor.
Seit dem 3. September 2026 können Uber-Kundinnen und -Kunden in London bei einer UberX-, Uber-Comfort- oder Uber-Electric-Bestellung einem autonomen Fahrzeug des britischen KI-Unternehmens Wayve zugeteilt werden — ohne Aufpreis. Die Flotte besteht zunächst aus 15 elektrischen Ford Mustang Mach-E. Ein von Transport for London lizenzierter Fahrer sitzt vorne und kann eingreifen; die vollständig fahrerlose Genehmigung durch die Driver and Vehicle Standards Agency wird vor Ende 2026 nicht mehr erwartet. London ist damit nach Zagreb die zweite europäische Stadt mit Robotaxis auf der Uber-Plattform. Mehr als 140.000 Londoner haben sich vorab für die Zuteilung registriert. Waymo bereitet einen eigenen Start mit Jaguar I-Pace vor, will aber erst ohne Sicherheitsfahrer beginnen.
Was ist passiert?
Uber und Wayve haben am Donnerstag, dem 3. September 2026, den beaufsichtigten Robotaxi-Betrieb in London aufgenommen. Wer in der Uber-App eine der drei Standardklassen bucht, wird mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit einem Wayve-Fahrzeug zugeordnet und kann das Angebot annehmen oder vor der Ankunft auf einen konventionellen Wagen wechseln. Entriegelt und gestartet wird die Fahrt über die App; ein Bildschirm im Innenraum zeigt in 64 Sprachen die geplante Route. Das Bediengebiet umfasst London ohne die Flughäfen.
Wayve wurde 2017 in Cambridge gegründet, sitzt heute in London und trainiert seine Software seit 2018 auf den Straßen der Hauptstadt. Anders als Waymo oder die chinesischen Anbieter verzichtet das Unternehmen auf hochauflösende Karten: Der „AI Driver" ist ein Ende-zu-Ende-Modell, das aus Fahrerfahrung lernt und in neue Städte übertragen werden soll, ohne dass diese vorher vermessen werden. Die Partnerschaft mit Uber sieht Einsätze in zwölf internationalen Märkten vor; London ist der erste.
Die Zahlen zum Start
Warum ein Sicherheitsfahrer — und wie lange noch
Der britische Automated Vehicles Act von 2024 schafft den Rechtsrahmen für fahrerlose Dienste, doch die Ausführungsbestimmungen und das Genehmigungsverfahren für den Betrieb ohne Person am Steuer liegen bei der Driver and Vehicle Standards Agency. Uber und Wayve hatten gehofft, noch 2026 ohne Sicherheitsfahrer fahren zu dürfen; nach Angaben beider Unternehmen wird das vor Jahresende nicht mehr geschehen. Der jetzige Betrieb ist also ein Pilotbetrieb mit zahlenden Fahrgästen, kein fahrerloses Robotaxi im Sinne der Dienste in Phoenix, San Francisco oder Wuhan.
Das ist weniger ein Rückschlag als eine britische Eigenheit: London ist mit seinen engen Straßen, Bussen, Radfahrern und unübersichtlichen Kreuzungen eine der anspruchsvollsten Fahrumgebungen der Welt. Dass die Regulierer Erfahrungen mit Fahrer sammeln wollen, bevor sie den nächsten Schritt freigeben, entspricht dem Vorgehen in Kalifornien, wo Waymo ebenfalls jahrelang mit Sicherheitsfahrern unterwegs war, bevor das DMV den fahrerlosen Betrieb genehmigte.
„Autonomes Fahren wird das reiche Verkehrsnetz der Stadt ergänzen, und wir freuen uns, dass Londoner es als Erste erleben, während wir unseren globalen Rollout mit Uber beginnen." — Alex Kendall, CEO und Mitgründer von Wayve
Einordnung: Zwei Strategien treffen in London aufeinander
Waymo hat London seit Monaten mit besetzten Fahrzeugen kartiert und angekündigt, mit dem Flottenpartner Moove und Jaguar I-Pace zu starten — aber ausdrücklich nicht mit einem Menschen am Steuer. Die Alphabet-Tochter wartet also auf dieselbe Genehmigung, die Uber und Wayve fehlt, und verzichtet bis dahin auf zahlende Kunden. Wayve dagegen sammelt ab sofort Betriebserfahrung, Fahrgastdaten und Sichtbarkeit — zu dem Preis, dass jede Fahrt weiterhin einen Fahrer kostet und wirtschaftlich nichts spart. Auch Baidu testet in London.
Für Uber ist der Start Teil eines breiteren Musters: Statt eigene Autonomie zu entwickeln, macht sich der Konzern zur Plattform für fremde Systeme — Waymo in Austin und Atlanta, WeRide in Abu Dhabi, Pony.ai und Baidu in weiteren Märkten, nun Wayve in London. Uber hatte im Februar 2026 die Sparte „Uber Autonomous Solutions" gegründet und will bis Jahresende autonome Flotten in 15 Städten weltweit anbieten. Die Fahrgäste sehen davon vor allem eines: dass sie ein Robotaxi über dieselbe App bekommen wie bisher ein Taxi.
Was bleibt offen?
Erstens der Zeitplan für den fahrerlosen Betrieb. Solange die DVSA-Genehmigung aussteht, bleibt das Londoner Angebot ein Technologie-Schaufenster, kein skalierbares Geschäft. Zweitens die Flottengröße: 15 Fahrzeuge in einer Stadt mit rund neun Millionen Einwohnern bedeuten, dass die meisten der 140.000 Registrierten auf absehbare Zeit kein Robotaxi bekommen. Und drittens der Wettbewerb um die zweite Stadt: Wayve nennt zwölf Uber-Märkte, hat aber keinen davon mit Datum benannt. Ob der kartenfreie Ansatz tatsächlich schneller in neue Städte kommt als die Konkurrenz mit HD-Karten, wird sich erst zeigen, wenn Wayve außerhalb seiner Heimatstadt fährt.
Original-Quellen
Herstellerseite: wayve.ai
Quellen
- Bloomberg — Uber, Wayve Launch Robotaxi Service in London to Compete With Waymo, 2. September 2026: bloomberg.com
- Globetrender — Wayve self-driving taxis launch on Uber in London, 3. September 2026: globetrender.com
- Technology.org — Uber Launches London's First Robotaxi Service, 3. September 2026: technology.org
- The Star / Reuters — Uber and AI-firm Wayve launch London's first robotaxis, 3. September 2026: thestar.com.my
- Tech Funding News — How to get an autonomous ride in London: Wayve and Uber go live as Waymo closes in, September 2026: techfundingnews.com
- TechCrunch — Waymo plans to launch a robotaxi service in London in 2026, 15. Oktober 2025: techcrunch.com
- Fuhrpark.de — Autonome Robotaxis ab 2026 in Europa: fuhrpark.de
← Alle Entwicklungen im Bereich← All developments in this area