Nach drei Monaten Stopp: China gibt Robotaxi-Lizenzen wieder frei.
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Im April 2026 hatte ein großflächiger Ausfall von Baidus Apollo Go in Wuhan die chinesischen Behörden dazu gebracht, landesweit keine neuen Genehmigungen für autonome Fahrzeuge mehr zu erteilen. Nach einer branchenweiten Sicherheitsprüfung, die Ende Juni abgeschlossen wurde, laufen die Genehmigungen seit Ende Juli wieder an — schrittweise und stadtweise. Momenta erhielt am 21. Juli eine Testerlaubnis in Shenzhen, Apollo Go ist in Wuhan zurück auf der Straße. Der Fall zeigt etwas Ermutigendes: Ein Regulierer hat einen boomenden Markt gestoppt, geprüft und kontrolliert wieder geöffnet — statt entweder wegzuschauen oder dauerhaft zuzumachen.
Was ist passiert?
Ende April 2026 fielen in Wuhan innerhalb kurzer Zeit über hundert fahrerlose Taxis von Baidus Dienst Apollo Go aus. Fahrgäste saßen fest, Fahrzeuge blockierten Fahrspuren, Bilder davon liefen durch die sozialen Netzwerke. Die Reaktion der chinesischen Aufsicht kam schnell und war ungewöhnlich hart: Neue Genehmigungen für intelligente vernetzte Fahrzeuge wurden landesweit ausgesetzt, verbunden mit der Auflage einer vollständigen Sicherheitsüberprüfung der gesamten Branche.
Diese Prüfung wurde Ende Juni abgeschlossen. Seither tastet sich die Aufsicht zurück in den Normalbetrieb. Momenta meldete am 21. Juli 2026, dass sein Robotaxi in Shenzhen eine Genehmigung für Straßentests intelligenter vernetzter Fahrzeuge erhalten hat — eine der ersten nach dem Stopp. Parallel berichten Anwohner in Wuhan seit Anfang Juli wieder von Apollo-Go-Fahrzeugen im Stadtbild, teils mit Sicherheitsfahrer an Bord. Am 23. Juli bestätigten Bloomberg und CnEVPost, dass die Lizenzvergabe in mehreren Städten schrittweise wieder aufgenommen wurde.
Warum das eine positive Entwicklung ist
Der Vorgang liest sich auf den ersten Blick wie eine Krise. Tatsächlich ist er ein Lehrstück darüber, wie eine junge Technologie erwachsen wird:
- Ein funktionierender Rückkopplungskreis. Störung, sofortiger Stopp, systematische Prüfung, kontrollierte Wiederöffnung — genau dieser Zyklus fehlt vielen neuen Technologien. Dass er hier innerhalb von drei Monaten durchlaufen wurde, ist bemerkenswert schnell.
- Sicherheit als Wettbewerbsvorteil. Wer nach der Prüfung als Erster wieder eine Lizenz bekommt, hat seine Betriebsprozesse belegbar in Ordnung. Der Stopp hat die Anreize verschoben: von „möglichst schnell skalieren" zu „belastbar betreiben".
- Fallback-Strategien werden Standard. Der Auslöser war kein Unfall, sondern ein Systemausfall. Die Konsequenz — Rückfallebenen, Fernüberwachung, geordnete Räumung von Fahrspuren — kommt allen Betreibern weltweit zugute.
- Der Wettbewerb bleibt offen. Mit Baidu, Momenta, Pony.ai und WeRide auf der einen und Waymo, Zoox und Tesla auf der anderen Seite entsteht kein Monopol, sondern ein Feld mit mehreren technischen Ansätzen.
Apollo Go in Zahlen
Was das für den globalen Wettbewerb bedeutet
China war 2025 und Anfang 2026 der Markt mit dem schnellsten Mengenwachstum bei fahrerlosen Fahrten. Der dreimonatige Stopp hat diese Dynamik spürbar gebremst — Apollo Go expandierte in dieser Zeit vor allem im Ausland weiter, unter anderem mit einer Level-4-Zulassung in der Schweiz unter dem Namen AmiGo. Mit der Wiederaufnahme der Lizenzvergabe kehrt der Heimatmarkt in den Wettbewerb zurück, und zwar mit einem Regelwerk, das den Betrieb strenger fasst als zuvor.
Interessant ist die Parallele zu den USA: Dort hat die NHTSA im selben Monat allen Betreibern eine Frist gesetzt, das Verhalten ihrer Fahrzeuge gegenüber Einsatzkräften nachzubessern. Zwei sehr unterschiedliche Regulierungssysteme kommen unabhängig voneinander zum gleichen Schluss — nicht die Fahrleistung im Normalfall entscheidet über die Zukunft der Robotaxis, sondern das Verhalten im Ausnahmefall.
„Der eigentliche Prüfstein autonomer Flotten ist nicht die perfekte Fahrt. Es ist die Frage, was passiert, wenn hundert Fahrzeuge gleichzeitig stehenbleiben."
Was bleibt offen?
Die Wiederaufnahme läuft stadtweise und ohne offizielle landesweite Ankündigung — welche Auflagen genau gelten, ist bislang nicht veröffentlicht. Unklar ist auch, ob Apollo Go in Wuhan wieder vollständig fahrerlos unterwegs sein darf oder vorerst mit Sicherheitspersonal an Bord bleibt; beobachtet wurden bisher beide Varianten. Offen bleibt schließlich, ob die neuen Anforderungen kleinere Anbieter aus dem Markt drängen. Der Befund dieser Woche ist trotzdem eindeutig positiv: Der chinesische Robotaxi-Markt ist nicht abgeschaltet worden, sondern nachgeschärft — und läuft wieder an.
Original-Quellen
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Quellen
- CnEVPost — China resumes issuing robotaxi licenses after months-long freeze, report says (23.07.2026): cnevpost.com
- electrive — China restarts robotaxi licence approvals (23.07.2026): electrive.com
- Bloomberg — China Resumes Issuing Robotaxi Licenses After Long Freeze (23.07.2026): bloomberg.com
- Bloomberg — China Suspends Autonomous Driving Permits After Baidu Outage (29.04.2026): bloomberg.com
- Automotive World — China resumes robotaxi permits after three-month freeze: automotiveworld.com
- Baidu Investor Relations — Baidu Announces First Quarter 2026 Results: ir.baidu.com
- Electrek — Baidu Apollo Go wins Level 4 robotaxi approval in Switzerland as AmiGo (16.06.2026): electrek.co
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