Zum Inhalt springenSkip to content
msm FortschrittsberichtProgress report
msm/MobilitätMobility/MOIA Hamburg
Mobilität · Deutschland · Juli 2026Mobility · Germany · July 2026

Hamburg fährt autonom — mit Fahrgästen an Bord. Hamburg goes autonomous — with passengers on board.

ZusammenfassungSummary

Am 15. Juli 2026 hat die VW-Tochter MOIA in Hamburg den Fahrgastbetrieb mit selbstfahrenden ID. Buzz AD gestartet. Erstmals können Fahrgäste in Deutschland autonome Ridepooling-Fahrten im regulären Stadtverkehr buchen. Zum Start sind bis zu zehn Fahrzeuge in Winterhude, Barmbek und Wandsbek unterwegs, mit Sicherheitsoperator an Bord und kostenlos. Das Projekt ALIKE unter Federführung der Hochbahn wird vom Bund mit 26 Millionen Euro gefördert.

On 15 July 2026 Volkswagen subsidiary MOIA launched passenger service with self-driving ID. Buzz AD vehicles in Hamburg. For the first time in Germany, passengers can book autonomous ridepooling trips in regular city traffic. Up to ten vehicles serve Winterhude, Barmbek and Wandsbek, each with a safety operator on board, free of charge during the pilot. The ALIKE project, led by transit operator Hochbahn, receives 26 million euros in federal funding.

Was ist passiert?What happened?

Vorregistrierte Hamburgerinnen und Hamburger buchen die Fahrten über die MOIA-App; die Buchung über die ÖPNV-App hvv switch soll folgen. Ein- und Ausstieg erfolgen an virtuellen Haltepunkten, Fahrten in gleicher Richtung werden gebündelt — das ist der Unterschied zum Robotaxi: kein Einzeltransport, sondern geteilte Fahrten als Ergänzung zum Nahverkehr.

Das Fahrsystem stammt von Mobileye und ist auf SAE-Level 4 ausgelegt. An Bord ist durchgehend ein geschulter Sicherheitsoperator. Die europäische Zulassung für den wirklich fahrerlosen Betrieb peilt MOIA für 2027 an — bis dahin ist der Mensch im Fahrzeug rechtlich erforderlich, auch wenn das System selbst fährt.

Warum das ein anderer Ansatz istWhy this is a different approach

Amerikanische Robotaxi-Dienste sind privatwirtschaftliche Angebote, die neben dem Nahverkehr entstehen und ihm im Zweifel Fahrgäste abziehen. Hamburg dreht die Reihenfolge um: Träger ist die städtische Hochbahn, das Angebot ist als Zubringer und Ergänzung zum bestehenden Netz konzipiert, und die Buchung soll in die ÖPNV-App wandern.

  • Öffentliche Trägerschaft. Im Konsortium arbeiten sechs Partner: Hochbahn, MOIA, HOLON, VW Nutzfahrzeuge, das Karlsruher Institut für Technologie und die Hamburger Verkehrsbehörde.
  • Gebündelte Fahrten. Ridepooling statt Einzelfahrt — der Flächeneffekt pro Fahrgast ist deutlich besser als bei einem Robotaxi mit einer Person.
  • Erschließung dünner Räume. Der wirtschaftliche Sinn autonomer Shuttles liegt dort, wo ein Bus mit Fahrer sich nicht rechnet: Randzeiten, Außenbezirke, Nachtverkehr.

Die nächsten StufenThe next stages

Als nächstes nimmt die Hochbahn autonome HOLON-Mover in Betrieb — Fahrzeuge für bis zu 15 Fahrgäste mit maximal 60 km/h. Über die Projektlaufzeit sind bis zu 20 autonome Fahrzeuge vorgesehen. Der Förderbescheid über 26 Millionen Euro für 36 Monate wurde am 23. Oktober 2023 übergeben.

Zum Vergleich: MOIAs konventioneller Ridepooling-Dienst fährt in Hamburg seit April 2019 mit rund 330 Fahrzeugen und hat über elf Millionen Fahrgäste befördert. Zehn autonome Fahrzeuge sind gemessen daran ein Versuchsaufbau, kein Verkehrsangebot.

Der Hochlauf in ZahlenThe ramp-up in numbers

Autonome Fahrzeuge im Hamburger Fahrgastbetrieb
Fahrzeuge mit Fahrgästen · Quelle: MOIA, Hamburger Hochbahn · „Plan“ = Projektziel bis Laufzeitende inkl. HOLON-Mover
26 Mio. €
Bundesförderung für das Projekt ALIKE über 36 Monatefederal funding for the ALIKE project over 36 months
10
autonome ID. Buzz AD im Fahrgastbetrieb zum Startautonomous ID. Buzz AD vehicles in service at launch
2027
angepeilte EU-Zulassung für den fahrerlosen Betriebtargeted EU approval for driverless operation

Was bleibt offen?What remains open?

Bund und Stadt nennen als Zielbild bis zu 10.000 autonome Shuttles in Hamburg bis 2030. Zwischen zehn Fahrzeugen mit Sicherheitsoperator und 10.000 fahrerlosen Shuttles liegen vier Jahre und mindestens drei ungelöste Fragen: die europäische Zulassung ohne Operator, die Kosten pro Fahrzeugkilometer, und ob Fahrgäste ein geteiltes Fahrzeug ohne Personal annehmen.

„Das Zielbild von 10.000 Shuttles bis 2030 ist eine politische Absichtserklärung, keine Zusage. Der belastbare Wert dieser Woche ist: zehn.“

Was Hamburg trotzdem interessant macht: Es ist der erste Versuch in Europa, autonomes Fahren nicht als Produkt eines Technologiekonzerns einzuführen, sondern als Teil eines öffentlichen Verkehrsauftrags.

QuellenSources

  1. MOIA — MOIA reaches next Milestone: Passenger test operation launches in Hamburg: moia.io
  2. electrive.net — MOIA startet autonome Ridepooling-Fahrten mit Fahrgästen in Hamburg: electrive.net
  3. heise online — Moia nimmt kostenlosen Testbetrieb mit autonomen Shuttles in Hamburg auf: heise.de
  4. Hamburger Hochbahn — Bund und Hamburg bringen „Autonomes Ridepooling“ auf die Straße: hochbahn.de
  5. Hamburger Hochbahn — Projektseite ALIKE: autonome On-Demand-Shuttles: hochbahn.de