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msm FortschrittsberichtProgress report
msm/MobilitätMobility/Waymo in Madrid
Mobilität · Madrid · Oktober 2026Mobility · Madrid · October 2026

Waymo kommt nach Madrid — zuerst mit Fahrern am Steuer, Fahrgäste frühestens 2027.

This article is currently available in German only — an English version will follow. Der Text liegt bisher nur auf Deutsch vor.

Zusammenfassung

Waymo hat am 20. Oktober 2026 angekündigt, einen vollautonomen Fahrdienst in der Region Madrid aufzubauen — nach Großbritannien und Deutschland das dritte europäische Land. Elektrische Jaguar I-PACE sollen „in den kommenden Tagen“ auf die Straßen kommen, zunächst von Hand gefahren, dann mit geschulten Sicherheitsfahrern zur Validierung; die ersten Fahrgäste sind für 2027 vorgesehen. Flottengröße, Bediengebiet, Preise und die für einen fahrerlosen Bezahlbetrieb nötigen Genehmigungen hat das Unternehmen nicht genannt.

Was ist passiert?

Die Alphabet-Tochter Waymo hat am Dienstag, 20. Oktober 2026, unter der Überschrift „¡Llegamos a Madrid!“ ihren ersten spanischen Markt angekündigt. Der Dienst soll in der Autonomen Gemeinschaft Madrid entstehen, also der Region um die Hauptstadt. Der Ablauf folgt dem Muster, das Waymo zuletzt für London, München und Toronto gewählt hat: Zuerst werden die Fahrzeuge manuell gefahren, um die Umgebung zu kartieren, danach folgt eine technische Validierung, bei der lokal geschulte „Autonomous Specialists“ am Steuer sitzen, während die Software fährt. Fahrgäste sollen 2027 einsteigen können — ein Datum, das Waymo selbst als Ziel formuliert, nicht als Zusage.

Rechtlich bewegt sich Waymo nach Angaben von Reuters im Testrahmen der spanischen Verkehrsbehörde DGT für autonome Fahrzeuge. Dieselbe Behörde hatte im September die ersten nationalen Testgenehmigungen an WeRide und Uber erteilt; beide wollen laut Reuters noch bis Ende 2026 kommerzielle Fahrten in Madrid anbieten. Waymo wäre damit nicht der erste Robotaxi-Anbieter in der Stadt, aber der erste, der ohne Partner aus der Fahrdienstbranche eine eigene Flotte betreibt. Das Unternehmen nennt Gespräche mit nationalen, regionalen und städtischen Behörden sowie Schulungen für Einsatzkräfte; die Regionalzeitung The Olive Press berichtet, die ersten Einsatzgebiete sollten das Madrider Zentrum sowie die Vorstädte Alcobendas und Getafe sein.

In der Ankündigung lässt Waymo zwei spanische Verkehrssicherheitsorganisationen zu Wort kommen: Ignacio Lijarcio, Präsident der Stiftung FESVIAL, und Mar Cogollos, Direktorin der Rückenmarksverletzten-Vereinigung AESLEME. Beide verbinden ihre Zustimmung mit dem Hinweis, dass menschliches Versagen hinter mehr als 90 Prozent der Verkehrsunfälle stehe. Reaktionen aus dem Madrider Taxigewerbe, das in den vergangenen Jahren mehrfach gegen Uber und Cabify gestreikt hat, lagen bis zum Stand dieser Seite nicht vor.

Die Zahlen

Unfälle mit schweren Verletzungen oder Schlimmerem — Index, Mensch = 100
Waymo gibt an, in seinen US-Betriebsgebieten 95 Prozent („20-mal“) weniger solcher Unfälle zu verursachen als menschliche Fahrer, bezogen auf mehr als 400 Millionen vollautonom gefahrene Kilometer (Waymo, 20.10.2026). Es handelt sich um eine Unternehmensangabe aus US-Städten, nicht um eine unabhängige Prüfung; für Madrid liegen noch keine Daten vor.
2027
Zieljahr für die ersten Fahrgäste in der Region Madrid; vorher manuelle Fahrten und Validierung mit Sicherheitsfahrern (Quelle: Waymo, 20.10.2026)
20 Mio.
kumulierte Fahrten; derzeit mehr als 500.000 bezahlte Fahrten pro Woche in über 15 US-Städten (Quelle: Waymo und Reuters, 20.10.2026)
400 Mio. km
vollautonom gefahren — die Datenbasis, auf die Waymo seine Sicherheitsangabe stützt (Quelle: Waymo, 20.10.2026)

Einordnung

Madrid reiht sich in die Städte außerhalb der USA ein, für die Waymo Starttermine genannt hat, und ist nach München die zweite in der Europäischen Union. Die Zieljahre zeigen, wie das Unternehmen plant: London soll noch 2026 Fahrgäste bekommen, Madrid und Tokio 2027 (Tokio mit den Partnern Nihon Kotsu und GO, die Genehmigung steht laut Reuters aus), München „Ende 2027“ und Toronto 2028 (siehe unsere Seite zu Toronto). Spanien ist dabei ein Markt, in dem der Wettbewerb bereits sichtbar ist: WeRide und Uber halten seit September Testgenehmigungen der DGT, und Uber hat London mit Wayve bereits mit Sicherheitsfahrern im Betrieb (siehe unsere Seite zu London).

Neu ist weniger die Technik als die Geografie. Waymo fährt in den USA inzwischen auf Autobahnen und in mehr als 15 Städten; die Zahl der bezahlten Fahrten liegt nach Unternehmensangaben bei mehr als 500.000 pro Woche und soll bis Ende 2026 eine Million erreichen (siehe unsere Seite zur Expansion). Europa fehlt in dieser Rechnung bisher vollständig. Madrid bietet dafür einen vergleichsweise übersichtlichen Rahmen: eine Region mit rund sieben Millionen Einwohnern, ein dichtes Straßennetz, eine einzige nationale Verkehrsbehörde und — anders als in Deutschland mit seinem Level-4-Gesetz (siehe unsere Seite zum KBA) — ein Regelwerk, das bislang auf Tests ausgelegt ist und für den kommerziellen fahrerlosen Betrieb erst noch ausgestaltet werden muss.

„Wir können es kaum erwarten, den Madrileños zu dienen.“ — Tekedra Mawakana, Co-CEO von Waymo, in der Ankündigung vom 20.10.2026 (übersetzt)

Was bleibt offen?

Erstens: Waymo nennt weder Flottengröße noch Bediengebiet noch Preise. Die genannten Stadtteile stammen aus der Regionalpresse, nicht aus der Mitteilung. Ob der Dienst wie in den USA über die eigene App läuft oder — wie in Tokio und Toronto — mit Partnern, ist nicht gesagt.

Zweitens: Der Rahmen der DGT regelt Tests. Für einen fahrerlosen Bezahlbetrieb braucht es in Spanien weitere Genehmigungen auf nationaler und regionaler Ebene; welche das sind und wie lange sie dauern, ist offen. Dass Waymo für München inzwischen „Ende 2027“ und für Toronto 2028 nennt, zeigt, dass solche Zeitpläne verrutschen.

Drittens: Die Sicherheitsangabe von 95 Prozent weniger schweren Unfällen ist eine Unternehmenszahl aus US-Städten mit anderem Verkehrsmix, breiteren Straßen und anderem Fahrverhalten. Für Madrid mit engen Altstadtgassen, vielen Motorrollern und einer hohen Dichte an Fußgängern gibt es keine vergleichbaren Daten.

Viertens: Die Reaktion des Taxigewerbes fehlt. Madrid hat eine der konfliktreichsten Geschichten Europas zwischen Taxis und Fahrdiensten; wie die Region einen Anbieter ohne Fahrer regulatorisch einordnet, ist bislang nicht erkennbar.

Original-Quellen

Ankündigung von Waymo: waymo.com · Informationsseite: waymo.com/waymo-in-spain

Quellen

  1. Waymo — ¡Llegamos a Madrid! Waymo is coming to Spain (Unternehmensblog), 20.10.2026: https://waymo.com/blog/2026/10/waymo-in-madrid-region/
  2. Reuters (via TimesLIVE) — Waymo to launch autonomous ride-hailing in Madrid next year, 20.10.2026: https://www.timeslive.co.za/motoring/2026-10-20-waymo-to-launch-autonomous-ride-hailing-in-madrid-next-year/
  3. CleanTechnica — ¡Llegamos a Madrid! Waymo is Coming to Spain, 20.10.2026: https://cleantechnica.com/2026/10/20/llegamos-a-madrid-waymo-is-coming-to-spain/
  4. The Olive Press — Driverless taxis to hit Madrid’s streets in 2027 as Google’s Waymo confirms Spain launch, 22.10.2026: https://www.theolivepress.es/spain-news/2026/10/22/spain-waymo-robotaxis-driverless-cars-madrid/